Orange

Herbst auf dem Bauernmarkt,
Inspiration und Intuition sind meine Hauptzutaten jedes Gerichts.
Ich spaziere über den Bauernmarkt. Nirgendwo sind meine Hauptzutaten einfacher zu finden als hier.

Orange

orange

Der Intuition zu folgen ist eine Sache. Durch Übung werde ich sicherer. Ist es draußen kalt und mir fallen Erdbeeren ein wird mir bewusst heute stimmt wohl etwas nicht mit meinem Körpergefühl. Natürlicher erscheint es mir an einen Kürbis zu denken. Der Bauernmarkt verhindert jeden Irrtum.

Die warme erdige Farbe der Frucht, der volle Geruch beim Kochvorgang, das sämige Gefühl im Mund nach einem Löfferl Kürbiscremesuppe, stimmt mich freundlich dem Nebel auf den Wiesen am Morgen, den kühlen Abenden des Herbstes, dem Geruch nach fallenden Blättern im Wald gegenüber.
Zur Inspiration zu kommen ist die andere Sache.
Ich halte mich nicht auf beim ersten Gedanken. Auch das ist Übung. Ich spinne meine Gedanken weiter. Ich rieche förmlich die Pilze und Schwammerl beim Gedanken an den Wald, ich trage noch die Erinnerung an den Sommer mit mir, ich rieche den Rosmarin des vergangenen Urlaubs, ich bleibe kurz hängen bei diesen schönen Erinnerungen und gegrillter Fisch erscheint vor meinem geistigen Auge.
Die Farbe der Kürbisfrucht ist noch in meinem Kopf.
Und hier ist sie, die Inspiration!
Ich finde mich vor dem Fischgeschäft wieder. Ich bin meiner Intuition gefolgt und nun stehe ich hier. Ich höre mich nach Flusskrebsen fragen.
Die Farbe, Erinnerung, Geruch waren es, die mich hierher gebracht haben, ein Rot – orange, Bilder eines schönen Urlaubs am Meer, der Geruch vom Sommer und seine Kräutern.
Ich habe Glück, es gibt welche (mit dem Hinweis sie zur Sicherheit telefonisch vorzubestellen).
Ich kaufe. Außerdem kaufe ich noch Zwiebel, Lauch, Karotten, Petersilie und Sellerie, den Rest hab ich zu Hause, der Weg in den Supermarkt bleibt mir erspart, juchee!
Ich lade das Nachbarsehepaar ein, zu viert ist das Zelebrieren eines gemütlichen Abends noch bereichernder – ein Glas Wein beim Feuer in der Feuerschale sollte noch möglich sein, auch wenn die Wiese schon feucht ist und der dicke Pullover bereit liegen muss.
Nein, die Krebse leben nicht mehr.
Ja, ich weiß, das wäre das Optimum.
Aber ich kenne mich. Und ich habe es probiert. Damals hatte der Flusskrebs plötzlich einen Namen und ich habe ihn und seine fünf Begleiter in die Mur entlassen. Dass das naiv ist weiß ich, die Vorspeise viel also aus. Ich kann es nicht. Echte Kenner dürfen schimpfen. Ich bin froh, dass ich nicht an meine Grenzen gehen muss, in diesem Fall.