Die Suppe aus Steinen

Ein Märchen aus Portugal

Die Suppe aus Steinen

Es war vor langer Zeit, da war ein Bettler unterwegs in der Gegend.

Er fragte bei Bauern, ob er etwas zu essen haben könne, aber er wurde unter Beschimpfungen davon gejagt.

Er fragte bei einer alten Frau, die im Garten war, ob sie etwas zu essen habe. Sie gab ihm ein Stück altes Brot und meinte mehr habe sie auch nicht, und sie scheuchte ihn weiter.

Der Bettler überlegte was er machen sollte, da er großen Hunger hatte.

In einem nahe gelegenen Wald suchte er sich einen Platz zum Schlafen.

Am nächsten Tag war Markttag. Der Bettler ging über den Markt, aber überall wo er auftauchte, wurde er verscheucht, er kam noch nicht einmal dazu zu fragen.

Da hatte er eine Idee. Er suchte sich einen freien Platz, suchte ein paar dürre Zweige zusammen und machte ein Feuer. Er füllte seinen zerbeulten Topf am Brunnen mit Wasser und stellte ihn auf das Feuer.

Dann ging er suchend über den Markt als ob er etwas verloren hätte und nun suchen würde.

Die Leute sahen das und schüttelten den Kopf, machten sich lustig über ihn.

Er hob etwas auf, betrachtete es und warf es wieder fort. Das wiederholte sich einige Male, bis er ihn fand – den perfekten Stein für seine Suppe.

Der Bettler wusch den Stein im Brunnen, legte ihn in seinen Topf und kochte ihn. Ab und zu rührte er um, probierte zwischendurch und rührte weiter. Inzwischen waren einige Leute stehen geblieben und schauten dem Bettler zu.

Einer der Bauern fragte: „Hey, du, was machst du da?“

Der Bettler sagte ohne den Bauern anzuschauen: „Ich koche eine Steinsuppe.“…

„Was kochst du? Eine Steinsuppe ?“alle lachten laut.

„Ja, eine Steinsuppe.“

„Und das schmeckt?“, wurde der Bettler gefragt .“Ich habe Hunger und muss ja etwas essen.“, antwortete der Bettler, aber mit etwas Gemüse würde die Suppe natürlich besser schmecken.“

Er probierte wieder und ein „hmmmmmmmmm“ erklang. Nun holte der Bauer Gemüse, denn er war nun neugierig wie die Suppe wohl schmecken würde, gab es dem Bettler und meinte er wolle dafür ein wenig Suppe probieren, denn eine Steinsuppe habe er noch nie gegessen.

Der Bettler putzte das Gemüse schnitt es klein und tat es in die Suppe.

Wie zuvor rührte er, probierte, wiegte den Kopf hin und her und rührte weiter.

Nun kam der Bürgermeister: „Was machst du da, du hast hier nichts zu suchen!“

„Ich koche eine Steinsuppe.“ sagte der Bettler. „ Eine was?“, kam die Frage .

Der Bauer, der dem Bettler das Gemüse gegeben hatte sagte:“ Eine Steinsuppe, das muss was ganz besonderes sein, er kocht das mit soviel Aufmerksamkeit!“..

„Und das soll schmecken?“, fragte das Oberhaupt der Stadt….

Der Bettler bemerkte, dass mit einem Stückchen Speck und ein paar Kartoffeln die Suppe natürlich noch viel besser schmecken würde.

Und schon kamen Frauen, die alles mit angehört hatten und brachten Speck und Kartoffeln.

Der Bettler tat auch dieses in den Topf, rührte, lies die Suppe köcheln, probierte, wiegte den Kopf..

„Hmmmmmmmmmmmmmmmmmmm, ein paar Gewürze, und die Suppe dürfte noch mal so gut schmecken.

Der Bettler lachte in sich hinein. Waren dies doch die gleichen Leute, die ihn tags zuvor verscheucht hatten und die jetzt alles brachten wonach er verlangte.

Er bekam also auch Gewürze, gab von jedem ein wenig in die Suppe ließ sie kochen, probierte, wiegte den Kopf .

„Die Suppe ist fertig.“ ,sagte der Bettler. Er sah einen dicken Mann mit Schürze in der Tür des Gasthauses stehen und meinte nun recht mutig: “He, Wirt, bring ein paar Teller und Löffel, ich will meine Steinsuppe teilen. Aber wenn ich es mir so recht überlege, ein Glas kühles Bier würde gut dazu passen!“ ,der Wirt schaute verduzt, brachte aber Teller, Löffel und ein Glas Bier.

Der Bettler verteilte die Suppe, jeder bekam ein wenig, er selbst füllte sich den Teller und alle aßen.

Rundum war ein „hmmmmm“ und „ohhhhhhhhh“ zu hören .

Der Bettler schmunzelte….

Da trat der Wirt zum Bettler und fragte: „Willst du bei mir als Koch arbeiten? …du sollst es nicht bereuen, denn wer aus einem Stein so eine gute Suppe kochen kann, der muss etwas besonders sein.“

Der Bettler überlegte nicht lange und sagte er wolle es versuchen.

„Aber eine Bedingung habe ich: wenn ein Bettler kommt möge man ihm etwas zu essen und eine Unterkunft geben.“

Der Wirt stimmte zu.

Als alles aufgegessen war nahm der Bettler den Stein aus dem Topf, wusch ihn sorgfältig am Brunnen und steckte ihn in seine Hosentasche.

Es wurde noch lange gelacht und gesprochen, der Tag wurde zu einem kleinen Fest.